7 Tipps für die Wohnungssuche in Las Palmas

Bevor es überhaupt zu den Ämtern geht und ihr eure Residencia und das Empadronamiento beantragen könnt, braucht ihr als Allererstes natürlich ein Dach über dem Kopf. Ohne einen Mietvertrag und dem Nachweis, dass die Miete von eurem Konto abgeht, könnt ihr euch nirgends offiziell anmelden.

Als ich vor zwei Jahren das erste Mal für mehrere Wochen in die Stadt kam, war es ein Kinderspiel Wohnungen anzumieten. Die Preise waren im Vergleich mit anderen europäischen Großstädten sehr günstig, selbst in den schon begehrteren Vierteln rund um Las Canteras, und in La Isleta wollte man auch noch nicht wohnen. Las Palmas – was gibts denn da? oder Was, die Stadt ist echt so groß? waren die klassischen Sätze, wenn ich zu Hause erzählt habe, dass ich mich total in die Stadt verliebt habe. Las Palmas war auf dem Schirm von niemandem. Nur einige Monate später hat sich das komplett verändert. Aus einer intimen Liebe zu zweit ist plötzlich eine Polygamie geworden.

Auf einmal ist Las Palmas für alle attraktiv. Die abgeranzten Häuser sind nicht mehr hässlich, sondern haben „berlinesken Charme“, die Digitale Community lebt und lobt die Aufbruchsstimmung in der ganzen Stadt und strömt zu Hauf nach Gran Canaria und die Überwinterer, die es früher eher in den Süden gezogen hat, schätzen das immer größere Angebot an Kultur und Restaurants. Beinahe täglich ploppt irgendeine andere Bar, ein anderer Shop oder ein neuer Co-Working-Space scheinbar aus dem nichts. Kurz gesagt: Las Palmas ist hip und leider, leider: So gehts los mit der Gentrifizierung.

Alter Azotea in Las Palmas
Das könnte deine neue Dachterrasse sein… Oder doch nicht?

So findest du (d)ein Dach überm Kopf in Las Palmas

Ob eine Stadt angesagt ist, oder nicht, merkt man auch am Wohnungsmarkt. Wenn man sich den ansieht, ist die Lage zur Zeit leider ziemlich angespannt. Gerade rund um den Strand werden die Mietwohnungen immer rarer. Zum Kaufen gibt es (noch) jede Menge, aber auch hier kann man beobachten, wie monatlich die Preise steigen.

Naturgemäß will man erstmal gucken, wie`s in der neuen Stadt so läuft. Daher greift, zumindest der Deutsche, nicht gleich in die Tasche um ein Domizil zu kaufen. Der Mietmarkt ist die erste Wahl. Wir haben das ganze Drama schon hinter uns und geben Euch heute Tipps, wie ihr möglichst schnell an eine bezahlbare Wohnung kommt.

Tipp 1: Im Frühling suchen

Wenn ihr es euch aussuchen könnt, zieht nicht im Herbst nach Las Palmas. Wir haben das gemacht und bitter bereut, denn wir sind genau zu der Zeit angekommen, als der Mietmarkt am angespanntesten war. Ab September geht die Suche der Überwinterer nach bezahlbarem Wohnraum für einige Monate los, d.h. ihr konkurriert im Herbst/Winter nicht nur mit den normalen Wohnungssuchenden der Stadt, sondern auch noch mit Rentnern, die ein gut gefülltes Pensionskonto ihr eigen nennen. Viele Vermieter bevorzugen auch dieses Klientel, denn man kann in vergleichsweise kurzer Zeit viel Geld machen. Ab dem Frühling entspannt sich die Lage auf dem Mietmarkt und für Interessenten, die eine Wohnung „larga temporada“ (mindestens 1 Jahr Mietdauer) suchen, stehen die Chancen wieder besser.

Tipp 2: Übergangswohnung organisieren

Euch ist es egal, wie die Wohnung aussieht, ihr wollt nur ein Dach über dem Kopf? Ok, dann vergesst Tipp 2. Von Deutschland aus ist es durchaus möglich eine Wohnung via Internet, Gestoria oder Immobilienmakler anzumieten. Aus dem Flieger in die neue Wohnung geht, wenn ihr keine Ansprüche an Einrichtung, Lage, Preis oder Mitbewohner habt.

Ich bevorzuge es allerdings, mir eine Wohnung und meine Nachbarschaft in Ruhe anzusehen, ich will dort im besten Fall ja länger wohnen und nicht jedes Jahr umziehen. Wir haben daher beschlossen vor Ort zu suchen. Voraussetzung: Eine Übergangswohnung in der man erstmal unterkommt. Da die Hotels in Canteras und auch „echte“ Ferienwohnungen auf Dauer sehr ins Geld gehen, fiel die Wahl auf eine „Monteursunterkunft“.

Vorteil: Günstig, im bevorzugten Viertel, eigener Briefkasten (was uns auch sehr zugute gekommen ist) & genug Platz um seinen Umzugskrempel (wir sind ja mit dem Auto gekommen), erstmal sicher zu verstauen. Bei uns fiel die Wahl auf die Apartamentos Banosol, vor allem weil sie direkt im Viertel lagen, wo wir später auch wohnen wollten. Hier gab schon für 18€/Nacht ein ganzes Apartment (ca. 30 qm, mit Bad, Waschmaschine & vollwertiger Küche). Andere Auswanderer die wir kennen, sind aber auch noch günstiger übergangsweise in einer WG untergekommen. Ein Monat für teils unter 150€, das kann man kaum noch toppen. Hier empfiehlt sich ein Blick auf die WG-Vermittlungsseite easypiso.com.

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Tipp 3: Internetportale checken?

Schon Wochen vorher habe ich – teils aus Vorfreude, teils aus Panik – in München bereits angefangen, alle großen Immobilienportale Spaniens nach geeigneten Wohnungen zu checken. Was hats gebracht? Achtung SPOILER: Gar nix! Denn wie wir letztlich herausfinden mussten, kann man einen Großteil alle Anzeigen (meine Schätzung nach ca. 75%) auf den großen Portalen in zwei Kategorien aufteilen:

  1. Der traurige Rest, den keiner haben will
  2. Lockangebote der großen Immobilienmaklerbüros, die es gar nicht mehr zu mieten gibt (FAKE NEWS!)

Lediglich um sich einen realistischen Überblick über die Preise zu verschaffen, ist das Stöbern in den Anzeigen sinnvoll. Und klar: vielleicht hat man auch mal Glück (am ehesten noch bei den privaten Anzeigen von Milanuncios oder Vibbo), aber sich allein auf die Wohnungssuche via Internet zu verlassen, bringt nur eins: Frust! Dennoch hier meine Liste an täglich abgestöberten Online Portalen. Wer weiß, vielleicht habt ihr mehr Glück als wir?!

Tipp 4: Immobilienmakler 

Wie in jeder Großstadt ist auch Las Palmas voller Agenturen, die sich auf dem Immobilienmarkt tummeln, um das schnelle Vermittlungsgeld zu kassieren. Neben den Platzhirschen wie Remax oder Look & Find, die mehrere Büros in unterschiedlichen Stadtteilen betreiben, gibt es noch viele, viele Einzelkämpfer mit kleinen Büros, aber oft besten Kontakten zu Nachbarn und Viertel. Wenn du nur wenig Zeit hast, um eine Wohnung zu finden und du gewillt bist, die Provision zu bezahlen, die sich meist auf 1 Monatskaltmiete beläuft (was ja im Vergleich zu Deutschland mehr als moderat ist), dann solltest du parallel zu deinen anderen Bemühungen auf jeden Fall auch ein paar Immobilienmakler aufsuchen. Die zwei goldenen Regeln hierbei:

  • Immer persönlich erscheinen!

Wenn du anrufst, macht KEINER, garantiert KEINER irgendetwas für dich! Zeige dich und dein freundliches Gesicht, versichere dich, dass sie deinen Wunsch verstanden (und am besten sogar deine Daten aufgenommen) haben und falls Sie etwas Passendes im Angebot haben: Mach direkt vor Ort eine zeitnahe Besichtigung mit ihnen aus.

  • Immer wieder kommen & nerven!

Ich garantiere dir, in dem Moment, indem du aus der Tür raustrittst, hat dich der Makler/-in wieder vergessen! Daher: Sei hartnäckig! Steh immer wieder auf der Matte und komm solange persönlich vorbei, bis du weißt, wie die Kinder aller Angestellten heißen…

Wir selbst haben erstmal alle Immobilienbüros, die uns Google Maps in unserem bevorzugten Viertel angezeigt hat, angesteuert. Dabei waren wir sicherlich in 15 verschiedenen Büros. Unsere Erfahrung dabei: Die großen Immobilienagenturen greifen einfach meist auf die Datenbank von Idealista zu und bieten dir Wohnungen an, die du schon x-mal im Internet gesehen hast. Nur bei den kleineren Stadtteilbüros haben wir direkt auch ein paar Besichtigungen von Wohnungen bekommen, die es online noch nicht gab.

Alquila Schild in Las Palmas
Anrufen, Anschauen, Einziehen!

Tipp 5: Se-Alquila-Schilder

Mein ganz heißer Tipp für euch, sind die Se Alquila (bzw. Se Vende)-Schilder, die in vielen Fenstern kleben. Ich selbst kenne einige Leute, die über diese Schilder ihre Traumwohnung (ob zum Kauf oder zur Miete) gefunden haben. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Du hast direkt ein Gefühl für die Wohngegend und das Haus (Altbau? Neubau? viele Nachbarn? Mit Bar/Geschäft etc. im Gebäude…), wenns dir nicht gefällt rufst du einfach nicht an
  • Um die Kaution kommst du oft rum (Dabei beim Schild auf den Zusatz „Particular“ = „Privatperson/ von Privat“ achten!)
  • Es geht alles sehr schnell und unkompliziert (Wenn du Glück hast, stehst du vor der Haustür, rufst bei der Nummer auf dem Schild an und sie lassen dich direkt rein zum Wohnung anschauen.)

Zugegebenermaßen sieht man in Las Palmas viel öfter SE VENDE Schilder (was einfach daran liegt, dass die Spanier halt einfach lieber kaufen statt mieten), aber wer mit offenen Augen durch sein Viertel läuft, wird sicherlich auch das ein oder andere SE ALQUILA-Schild entdecken.

Tipp 6: Auf Zusatzkosten achten!

Achtet bei der Wohnungssuche grundsätzlich darauf, was mit der Wohnung angeboten wird. Anders als in Deutschland, wo du die Wohnung eigentlich immer kalt und unmöbliert (mit oder ohne EBK) mietest, gibt es hier diverse Möglichkeiten, je nach Lust und Laune. Fragt euch daher:

  • Ist die Wohnung möbliert (amueblado) oder nicht? In Spanien werden die Wohnungen größtenteils möbliert vermietet, manchmal ist aber auch eine unmöblierte dabei. Oft geht das aus den Anzeigen nicht genau hervor, daher genau darauf achten.
  • Ist die Wohnung mit anderem notwendigen Kram eingerichtet (equipado)? Wir haben uns mehrere Wohnungen angesehen, die zwar brandneu eingerichtet waren, in denen aber kein einziger Teller oder Besteck vorhanden war. Wenn ihr wie wir, nur mit dem nötigsten anreist, solltet ihr auf jeden Fall darauf achten, was die Wohnung noch bietet: voll eingerichtete Küche (cocina equipada) mit allen Elektrogeräten (electrodomesticos) ist Pflicht.
  • Sind die Nebenkosten inkludiert? Normalerweise sind Wasser & Strom (Agua & Luz) extra zu bezahlen (apart). Die Wohnung wird daher „kalt“ gemietet. Beide Posten machen aber nur ein paar Euro aus (30-40€ bei ca. 100qm²), sodass „kalt“ fast gleich „warm“ ist. Manchmal sind Wasser & Strom aber auch schon im Mietpreis inklusive, daher auch hier darauf achten, so kann man sich ein paar Euro sparen. Eine Heizung und damit Heizkosten gibt es hier in den allerwenigsten Fällen, kann man aber, wenn man lang genug sucht, auch finden.
  • Ist das Internet inklusive? Falls ihr es noch nicht wisst: Auf der Insel gibt es das schnellste Internet überhaupt. Seit die Regierung Glasfaser hierher verlegt hat, surft man hier mit Rekordgeschwindigkeit. Leider müssen die Kosten für die hohe Investition beim Kunden wieder reingeholt werden, daher ist ein Internetanschluss in Las Palmas vergleichsweise teuer. Außerdem kommt dazu: In den Gebäuden, wo Fibra zugänglich ist, muss auch Fibra genommen werden. Du kannst dich dann nicht zwischen Glasfaser un dem günstigeren DSL entscheiden. Fibra kostet momentan je nach Anbieter und Deal zwischen 45 und 60 Euro im Monat. Wer sich diese Kosten sparen möchte, sollte unbedingt nach einer Wohnung suchen, bei der der Internetanschluss bereits inklusive ist. Rar gesät, aber findet man durchaus.
  • Was will der Vermieter als Sicherheit und Kaution? Auch hier macht eigentlich jeder, was er will. Besteht der Vermieter auf einen Gehaltsnachweis (Nomina, meistens über 3 Monate), ihr seid aber gerade erst hergezogen und habt noch keinen Job? Klärt ab, ob auch ein Gehaltsnachweis aus Deutschland geht oder ob ihr anderweitige Sicherheiten (Sparkonten, Immobilien etc.) beibringen könnt. Außerdem: Wie hoch soll die Kaution sein? Normal ist 1 Monatsmiete, manchmal muss man auch gar keine Kaution hinterlegen. Bei Neubauten oder Luxuswohnungen habe ich selten auch schon 2 MM gesehen.
  • Wie sind die Mietbedingungen? Oft muss man für eine Wohnung, die man larga temporada anmieten möchte, für mindestens 1 Jahr unterschreiben und kommt vorher auch nicht raus ohne seinen Kaution zu verlieren. Klärt daher unbedingt die Mietmodalitäten vorher ab: Wenn ihr normale Kündigungsfristen bevorzugt (3 Monate o.ä.) lasst die Finger von Langzeitverträgen.
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Tipp 7: Nicht alles nehmen und ruhig bleiben!

Ihr seid in einem fremden Land und wollt einfach nur schnell ein Dach über dem Kopf? Das merkt man euch an! Gerade die Immobilienmakler möchten schnell Profit machen und zeigen euch daher alles, was noch zu haben ist. Das ist aber leider oft nicht viel und nur noch der klägliche Rest vom Rest. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was uns für Bruchbuden untergekommen sind: klebrige Küchen, Schimmelbäder, Kakerlaken im Absteller, Zimmer ohne Fenster, Elektrogeräte aus den 50er, Dachterrassen, die nicht existiert haben und Fassadennetze, die uns als schützender Mosquito-Schutz verkauft wurden. Wir haben so einiges gesehen, und unser große Glück war, dass wir uns – obwohl wir unter immensem Zeitdruck standen- immer getraut haben NEIN! zu sagen und nicht einfach das genommen haben, was als die vermeintlich letzte Chance daherkam.

Und juhuu, ihr ahnt es bereits: genau 13 Tage nach unserer Ankunft in Las Palmas sind wir in ein unscheinbares Stadtteil-Immobilienbüro, betrieben von zwei freundlichen Damen über 60 gestolpert, die in 10 Minuten zwei Wahnsinns-Wohnungen aus dem Hut gezaubert hatten. In einer davon sitze ich gerade und freu mich diebisch über die Erinnerung.

VIEL ERFOLG!!

 

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