Ein Bulli will Spanier werden – Teil 2

Nach dem bisher kläglich gescheiterten Versuch unserer Autoummeldung in Spanien gibt es heute den zweiten Teil unseres Abenteuers. Es blieben nach dem fehlgeschlagenen TÜV noch acht Wochen, um alles zu reparieren, die Papiere fertigzustellen und den TÜV neu zu absolvieren! ¡Vamos a ello!

Werkstattsuche ohne Vitamin B

Man kennt das ja aus Deutschland. Man hat seinen Schrauber, seinen Cousin, seinen Schwagerkumpel, der selbst Automechaniker ist oder wen kennt. Wo es in anderen Lebensbereichen leicht ist, einen beliebigen Dienstleister zu wählen, fällt es einem um so schwerer den Richtigen an sein Auto zu lassen. Ist ja schließlich ein Familienmitglied! Was also tun, wenn man auf einer Insel steht ohne Bekannte, ohne TÜV und ohne Plan?

Nach dem großen Fehlgriff der TÜV-Filiale brauchen wir eine verdammt gute Werkstatt. Also wird rumtelefoniert, alle Werkstätten werden im Internet abgeklappert und jeder Arbeitskollege oder Tankwart wird nach seinem Tipp gefragt.

Meerblick ja, aber immer noch ohne spanisches Kennzeichen.
Meerblick ja, aber immer noch ohne spanisches Kennzeichen.

Groß rumfahren, um uns was zu suchen, dürfen wir übrigens (angeblich) auch nicht mehr. Mit dem in der Luft hängenden Ummeldeprozess und dem fehlgeschlagenen TÜV darf man offiziell nicht mehr circularen – also auf öffentlichen Straßen fahren. Nur eben zur Werkstatt. Nur zu welcher?

Letztlich sind wir dann auf Empfehlung in einer kleinen unabhängigen Taller in Guanarteme in Las Palmas gelandet. Zu unserer Überraschung passt unser Bulli gar nicht rein, aber sie hätten wohl eine zweite Filiale außerhalb der Stadt… hmm, nun gut. Auf geht´s. Aber bitte mit Kostenvoranschlag für die Abgasgeschichte und die anderen Kleinigkeiten! Aber es muss schnell gehen, Señor! Bitte bis übermorgen!

Nur leider schlägt nun die volle Breitseite der spanischen Gemütlichkeit zu. Nach ein paar Tagen, kein Update. Nach einer Woche, nix neues. Nach zwei Wochen: Zündkerzen, Ventile & Co. mal angesehen. Nichts gefunden. Auskünfte bekommt man übrigens nur, wenn man persönlich vor Ort den Werkstattchef antrifft. Anrufen bringt schon mal gar nichts (bloß nicht verscherzen mit dem Chef!). Dann die neuste Idee: es liegt an der Elektrik und es braucht eine neue Steuereinheit. Nur leider ist selbige auf der Insel nicht zu finden, eine Bestellung nicht möglich. Ist das das Ende? Sollten wir eine kurzfristig ranbekommen – löst es alle Probleme innerhalb der Frist von jetzt nur noch vier Wochen für alles?

Egal, auf geht´s. Ebay-Bestellung gezückt und Expressversand. Eine Woche später – das ist schon gut für die Post hier – Benachrichtigung. Sie wäre da, hängt aber im Zoll außerhalb der Stadt! Der nächste Herzinfarkt! Taxi, hin, Paketzentrum besichtigt, freundlich die Spanier zur Kooperation bewegt und weiter zur Werkstatt. Drei Wochen bleiben… dann der große Tag Nr.2. TÜV-Versuch durch die Werkstattmitarbeiter! Ich fahre mit, steige aber vorm TÜV aus (um die Locals unter sich zu lassen). 30 Minuten später… erneuter Fehlschlag. Abgaswerte fast unverändert bei 10% statt 0,3. Herzstillstand, eine hohe dreistellige Rechnung der Werkstatt – ohne Lösung (und natürlich ohne damals verlangten Kostenvoranschlag). Ausrasten, weinen, aufgeben?

Ein Plan B muss her

Eindeutig Zeit für eine zweite Meinung. Zwei Wochen bleiben und wir suchen nun verzweifelt eine offizielle VW-Vertragswerkstatt auf! Die müssen es ja können! … leider, um`s kurz zu machen, war das der größte Griff ins, äh, in die Keramik und man kann von Glück reden, dass nach dem Zweitagesaufenthalt dort nicht noch weitere Teile vom Bulli kaputtgegangen sind! Natürlich gab es trotzdem eine vergoldete Rechnung und dann das zu Kreuzekriechen in die alte Werkstatt. Mittlerweile hätte er einen Elektriker aufgetrieben, der sich auskennen würde mit genau dem Problem! Wir ergeben uns unserem Schicksal… es bleibt eh nur noch eine Woche. Und dann? Auto zurückschaffen? Verkaufen? Einlagern bis zur Rückkehr nach Deutschland?

Doch dann kommt am Mittwoch der letzten Woche der Frist ein unerwarteter Anruf: sie hätten es hinbekommen und wären gerad auf dem Weg zum TÜV, Versuch Nr. 3. Wir zittern zwei Stunden lang. Ist es möglich? Und was passiert, wenn wir es nicht schaffen? Das ist die letzte Chance. Das Auto müsste danach das Land verlassen. Selbst wenn wir es schaffen – wir haben nur noch drei Tage bis zur endgültigen Deadline für den Bürokratiepapierkrieg der Einfuhr! Der erlösende Rückruf kommt am Nachmittag: FAVORABLE – mit leichten Fehlern! YEAH YEAH YEAH! Ein frischer Relais löst alle Sorgen am Ende.

Wir haben es geschafft! FAVORABLE!
Wir haben es geschafft! FAVORABLE!

Am selben Tag holen wir alles ab (zahlen nochmal eine Stange Geld) und starten mit der letzten Runde. Unsere Dienstleisterin springt wieder ein und fährt mit mir im Schlepptau und einem dicken Ordner unterlagen von Pontius zu Pilatus und klärt die letzten Schriftstücke. Am Donnerstag erneuter Herzinfarkt: beim TÜV wollten wir nur schnell die Fahrzeugpapiere abholen (die ja schon damals bezahlt und erstellt wurden beim ersten Anlauf) , nur wurden die mittlerweile wieder gelöscht. Die Überzeugungskunst meiner Spanierin, eine Stunde Kaffeetrinken und Ausharren später haben wir tatsächlich die blauen Papiere in der Hand und können wieder zum trafico. Morgen können wir alles abholen! Tatsächlich erhalten wir am Freitag, den 17. Februar die Zulassung – der letzte Arbeitstag vor Fristablauf am 18.!

Der Rest ist Geschichte

Es fehlt nur noch eine Versicherung. Hier geht es nochmal hoch her, weil das Fahrzeug eben in keinem System existiert. Ohne Auskunft über meinen Schadensfreiheitsrabatt müssten wir mehr als 1000 € bezahlen! Ein internationales Dokument schafft Abhilfe und der nette Angestellte schickt uns am Ende sogar zur günstigeren Konkurrenz. Da unser Bulli älter als 25 Jahre ist, zahlen wir auch netterweise keine Steuern und schicken nun fröhlich unsere deutschen Nummernschilder zurück nach Deutschland. Die spanischen Schilder werden montiert und unser Bulli hat es geschafft – er ist Spanier!

Tipps für Eure Autoanmeldung in Spanien

  • Scannt alle Unterlagen inklusive Kaufvertrag, deutschen TÜVs und Fahrzeugpapieren vorab ein und macht Kopien (teilweise müsst Ihr Originale abgeben!)
  • Haltet bei den Behördengängen mehrfach Kopien bereit (Autounterlagen, Personalausweis, NIE)
  • Informiert Euch vorab in Deutschland über das sogeannte COC-Dokument zu Eurem Fahrzeug. Dies kann man online unter Angabe der Fahrgestellnummer beantragen. Also: rechtzeitig anfordern!
  • Hebt Eure Einreisedokumente des Fahrzeugs, also etwa die Quittung der Fähre, auf.
  • Haltet Euren Kaufvertrag bereit – Ihr braucht einen Beweis, dass der Wagen schon länger in Eurem Besitz ist.
  • Man darf nicht die Absicht haben, das Fahrzeug im nächsten Jahr zu verkaufen (mussten wir sogar schriftlich erklären).
  • Wenn Ihr Hilfe bei einem Dienstleister in Anspruch nehmen wollt: prüft vorher, ob die gestoría das schon mal gemacht hat und weist auf das Alter und den Typ des Fahrzeuges hin.
  • Prüft direkt bei Eurer aktuellen dt. Versicherung, ob sie im Ausland versichert. Dies könnte viel Ärger und Kosten sparen, wenn man es umschreiben lassen kann.
  • Beantragt noch in Deutschland bei Eurer Versicherung das internationale Dokument zum Schadensfreiheitsrabatt (gibt es auf Deutsch, Englisch, Französisch).
  • Checkt das Auto nochmal beim Deutschen TÜV durch: liegen die Abgaswerte richtig (0,3% CO) und wie ist der allgemeine Zustand? Beim ersten Mal, also beim Import ins Land, ist denen das sehr wichtig.
  • Informiert Euch vorher bei verschiedenen Quellen, welche Werkstatt und welcher TÜV vor Ort empfehlenswert sind (schreibt uns gerne an). Letztlich war die Werkstatt genau die richtige Wahl: am Ende haben wir dort im Kellergeschoss dutzende Oldtimer entdeckt – alle in Topzustand und der Tipp hat sich als richtig erwiesen. Sie kennen sich aus! … auch wenn es eine schwere Geburt war!
  • Holt Euch die Residencia-Karte als Anwohner. Dann könnt Ihr günstig mit der Autofähre auf die Nachbarinseln rüber!
  • … und das wichtigste: wascht Euer Auto regelmäßig! Bei dem Sandsturm Calima, dem ganzen Salzwasser und der Sonne solltet Ihr Eurem Auto und dem Unterboden was Gutes gönnen!
Wichtigste Regel: regelmäßig putzen!
Wichtigste Regel: regelmäßig putzen!

Wenn man das alles geschafft hat… dann ist man einer von wenigen Bullis auf der Insel und kann das Leben doppelt genießen! Auf geht`s zum nächsten Surferstrand! 😀

Übrigens: Die Tipps erheben keinen Anspruch auf Korrektheit oder Vollständigkeit und sind nur meine persönliche Momentaufnahme 2016/2017.

Ein Bulli will Spanier werden – Teil 2
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