Krokodile - die Hauptattraktion im Parque Cocodrilo in Agüimes

Ausflug in den Cocodrilo Park bei Agüimes

Der erste Familienbesuch stand an und nach ein paar wunderbaren Tagen in Las Palmas selbst, fragte man sich natürlich (nach dem obligatorischen Dünenbesuch im Süden), wo man am besten mit den Kids (2 und 8 Jahre) noch hindüsen könnte. Spontan gesucht und gefunden: auf in den Cocodrilo Park bei Agüimes!

Der Park selbst legt Wert darauf, dass er kein Zoo sein will, sondern eine rettende Auffangstation für misshandelte oder ausgesetzte Tiere aller Arten. Typischerweise sind die Highlights natürlich die gefährlichen Tiere (Tiger oder Krokodile), so dass der Park auch diesen Namen trägt – also im Spanischen Parque Cocodrilo. Lohnt sich der Ausflug? Mal sehen. Aber der Reihe nach…

Die Anreise

Agüimes liegt ca. 40 km vor Las Palmas knapp hinter dem Flughafen. Vom Süden der Insel gibt es direkte Shuttle-Busse, aber wenn man vom Norden kommt und öffentlich reist, ist es etwas komplizierter. Ab dem Busbahnhof San Telmo in Las Palmas gibt es ja nach Wochentag und Tageszeit die 11, 21, oder 27er Linie der Global-Busse, die einen in gut 30 Minuten für 3,50€ bis Agüimes bringen. Hier strandet man dann allerdings am Busbahnhof und muss sich in dem verschlafenen Nest ein Taxi suchen oder rufen (die Taxistation inkl. Rufnummer ist neben der Polizei am Kreisel). 15 Minuten später und 7 Euro ärmer hat einem der sehr nette Taxifahrer den Landstrich, die Landwirtschaft (viele Früchte wie Papaya oder Tomaten für den lokalen Markt), die gefährlichen Fahrradrouten in den Serpentinstraßen der Berge hupend um die Kurven fahrend, erklärt und einen vor dem Haupteingang zum Park abgesetzt. 9,90 € Erwachsene, Kinder 6,90 € und rein!

Eingang zum Cocodrilo Park in Agüimes

Der Cocodrilo Park

Wie gesagt, der Cocodrilo Park, der in den 80er gegründet wurde und von der Familie Balser geleitet wird, ist eigentlich eine Auffangstation, die sich um misshandelte, verschleppte oder ausgesetzte Tiere kümmern will. Eine Besichtigungsmöglichkeit entstand dann eigentlich eher nebenbei und es ist somit kein „vollwertiger“ Zoo mit großem Spektakel.

An dem Punkt kann man jetzt sehr philosophisch ausholen und alle Zoos oder Anlagen mit Tieren dieser Welt in Frage stellen. Ich bin selbst auch eher der Ansicht „Lasst die Tiere in Ruhe und stellt sie nicht zur Schau“ – aber jetzt hat sich der Mensch bereits als Weltbeherrscher alles unterjocht und die Tiere als Nutz- und Haustiere versklavt. Dies ist nun leider der Status Quo. Wenn sich nun Privatpersonen ihrer zu groß gewordenen Haustiere entledigen oder illegale Tierverkäufe schief gehen – wohin dann mit diesen Tieren, wenn man sie nicht irgendwo aussetzen kann? Einschläfern scheint kaum eine ethischere Lösung zu sein. Also doch eine Auffangstation für die Tiere? Doch wie finanziert sich diese, wenn nicht durch Publikum? Kann man ggf. noch das Verständnis für die Tierwelt an die Jugend vermitteln, um nicht nur allein Symptome zu bekämpfen? Dies ist die Mission des Parks und entsprechend sollte man an die Thematik rangehen.

Echsenwelt im Cocodrilo Park in Agüimes
Schön angelegt sind die Terrarien der Echsen und Schlangen

Echsenwelt im Cocodrilo Park in Agüimes

Der Park beherbergt mehr als 300 Tierarten (so das Schild) und ist eher klein und fein als groß und gewaltig. Echsen, Schildkröten, Schlangen, Vögel und Papageien, Tiger, Krokodile, Affen, Hähne, Pfauen, Eulen, Gänse, Rindvieh, Wild, Lama, … eine bunte Mischung, aber ohne weitere große Tiere wie Elefanten oder Giraffen. Es bleibt beschaulicher. Man erkennt an jeder Ecke noch die Liebe fürs Detail der Gründer und die charmant eingezäunten Wege mit viel Grün führen einen automatisch an allen Tieren vorbei.

Wir waren jetzt an einem Donnerstag im März fast die einzigen Gäste – was natürlich sehr angenehm ist, weil man seine Ruhe hat – aber auch gleichzeitig einen leicht trostlosen Eindruck vermittelt. Unterstützt wird dies durch ein paar runtergekommende, dekorative Elemente, die man mal wieder neu anstreichen könnte. An sich scheint aber alles sicher und stabil (es gab wohl mal einen Tigerausbruch vor sieben Jahren) und es sind auch überall Rampen für Kinderwägen oder Rollstühle vorhanden. Ein schöner und schattiger Kaktusgarten bei den Krokodilen zeigt dazu noch gut einen Teil der Flora der Kanaren.

Über den Tag verteilt gibt es verschiedene Fütterungsshows und „Tierinteraktionen“. Die Krokodilsfütterung haben wir leider verpasst und die die Affenfütterung fiel unangekündigt aus, aber die Vogelfütterung im großen Gehege war spektakulär für die Kinder und man kam sehr nah an die Tiere ran. Am besten fragt man am Eingang nach den sich ändernden Fütterungszeiten und lauscht den Durchsagen. Die schriftlichen Informationen müssen (typisch kanarisch) nicht unbedingt stimmen (Ruhetag am Samstag scheint aber fix!).

Vogelgehege mit Fütterung im Cocodrilo Park
Vogelgehege mit Fütterung im Cocodrilo Park

Vogelfreigehege im Cocodrilo Park in Agüimes

Vogelfreigehege im Parque Cocodrilo in Agüimes

Nach einer guten Stunde Schlendern und der Vogelshow führt der Rundweg zum Mittagstisch und Shop, wo man in spanischtropischem Look auf Bierbänken das leider nicht sonderlich großartige Fastfood vertilgt (Pommes, Chicken Finger und Getränk für faire, aber nicht sehr feine 5,90 €). Für uns wieder Entspannung pur, aber in der Hochsaison im Sommer soll hier die Hölle los sein, inklusive Bühnenshow und vermutlich langen Wartezeiten für das Essen. Alternativer Tipp: eigenes Picknick einpacken und in den vorhandenen Pausenbereichen entspannter genießen!

Krokodile - die Hauptattraktion im Cocodrilo Park in Agüimes
Krokodile – die Hauptattraktion im Cocodrilo Park in Agüimes
Mittagspause im Park
Mittagspause im Park

Gegen Ende der Route wird man noch zu den anderen größeren Tieren geführt und kann auch den beeindruckenden bengalischen Tiger in seinem Einzelgänger-Gehege und die Affen und Paviane in Ihren überschaubaren Käfigen beobachten. Die Rehe, Ponys und das Lama schienen ebenso wie Tiger und Affen leider etwas gedrängt und ohne große Auslaufmöglichkeiten.

Wir sind keine Experten, aber es wirkte hier dann doch recht trist und klein. Dann noch ein süßer Teich mit Brücke, Schildkröten und Gänsen zum Abschluss und nach zwei Stunden ist man inklusive Snackpause eigentlich durch und hat nichts ausgelassen. Wenn man allerdings noch mehr Fütterungszeiten und die „Tierinteraktion“ erwischt, kann man sicherlich noch eine gute Stunde draufschlagen. Ein Taxi ist schnell vor Ort (Telefonnummer von der Anreise speichern!) und es geht genauso zurück wie man hergekommen ist.

Fazit & Tipp

Die Idee der Auffangstation vom Cocodrilo Park finden wir gut und die Mitarbeiter geben sich Mühe, den Park pragmatisch in Schuss zu halten, den Besucher mit Informationen zu versorgen und die Tiere näher zu bringen. So manches könnte renoviert werden – aber viel wichtiger ist natürlich das Tierwohl. Hier wären mehr Gelder für größere Freibereiche wichtig und die Abkehr vom „Showgedanken“.

Wie wir in Gesprächen erfahren haben, wird wohl oft bei der Fütterung der Krokodile oder bei der Interaktion ein Tier verharmlost oder doch als Ausstattungsgegenstand für`s Erinnerungsfoto auf die Schulter gesetzt… Schöner wäre mehr Aufklärung und ein würdevolles Betrachten und Lernen aus der Ferne. Ansatzweise wird dies mit Schildern versucht (mit etwas plakativ wirkenden, dramatischen Lebensgeschichten der Affen etwa), sollte aber wertneutraler mit mehr Hintergrundwissen in allen Bereichen umgesetzt werden. Manchmal erfährt man gar nichts über die Tiere und muss schnell das Handy und Wikipedia parat haben, wenn man den Bildungsauftrag ausbauen will. In einem Schlangengehege schien eine Python verwahrlost oder gar tot, doch die Pfleger verneinten. Hmm. Wir hoffen, dass die Profis das beste für die Tiere umsetzen können und weiter Gelder bekommen für Ihre Mission.

Der Park dient als Auffangstation für Tiere
Der Park dient als Auffangstation für Tiere

Daher ist auch unser Tipp: geht hin, wenn Ihr die Sache unterstützen wollt, spielt aber beim Inszenieren der Tiere und den Fotosessions nicht mit und informiert Euch vor Ort bei den Pflegern nach den Haltungsbedigungen und gebt Anregungen als Feedback, damit sich der Park nicht weiter von der Grundidee entfernt und ein reines Unterhaltungsevent für lärmende Bustouristen wird. Die traurigen Geschichten dieser schönen Lebewesen dürfen keine Zirkusnummer rechtfertigen! Es muss um deren gute Versorgung gehen und um die Aufklärung für die nächste Generation der Zweibeiner. Dann aber gerne: hin und sich von den Tieren faszinieren lassen! Wir kommen wieder! Wenn hier noch ein bisschen was getan wird, gibt´s dann gerne beim nächsten Mal auch mehr als die nun 3 von 5 Kakteen!

 

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